Weltpremiere: Scheitern als Chance!

Da muss doch noch mehr gehen, Besiana. Das muss doch besser gehen. Das kannst du doch besser. Oder zumindest schneller! Bemüh dich! Arbeite an dir, Arghavan! Mach mehr, viel mehr! So wird das nichts, so geht das nicht, so schaffst du das nie!

Das neue Stück des Haydngym Ensembles „Scheitern als Chance“ bildet den atemberaubenden Schlusspunkt der Stückentwicklungs-Trilogie, die sich von Beginn an ganz dem „Selbst“ verschrieben hat. Nachdem in „Wir haben ein Problem“ die Grenzen der Selbstbestimmung und in „La Passion Della Passion“ die Tücken des Selbstbildes thematisiert wurden, verschreibt sich das neue Stück ganz dem Thema Selbstoptimierung.

Was passiert, wenn man an seine Grenzen getrieben wird und dann noch weit darüber hinaus? Ist genug jemals genug? In „Scheitern als Chance“ wird dabei unbarmherzig zwischen „Adlern“ und „Enten“ unterschieden. Du bist erfolgreich oder zumindest groß? Dann bist du ein Adler, ganz klar! Aber wer scheitert, ist eine Ente, wer scheitert, der hat sich nicht genug angestrengt.

Diese naive Dichotomie wird vom fulminant aufspielenden Hayndgym Ensemble ironisch kontrastiert und es stellt sich im Stück die Frage, was passiert, wenn man das Mantra der ewigen Selbstverbesserung und der unausgesetzten Arbeit am „Ich“ auf die Spitze treibt. Ihrer erfolgreichen Arbeitsweise treu bleibend beginnen die Akteure des Haydngym Ensembles wieder beim Individuum, bei sich selbst, beim eigenen ganz persönlichen Scheitern und Versagen.

Im „grande finale“ der Trilogie geben Berra Arslan, Sarah Basal, Cristina Bestea, Sara Candic, Oskar Charlesworth, Sandra Dragoljevic, Arghavan Irajiani, Besiana Kokollari, Irena Madjar, Katharina Petrovic, Rastka Rastoka und Tijana Stevanovic einfach alles. Oh, und wie sie das tun! Sie trainieren und schwitzen, sie kämpfen bis zum Umfallen, die herzzerreißend positive Besiana Kokollari sogar bis zum Kotzen und sie alle scheitern trotzdem oder gerade deshalb.

Die großartig spielende Sara Candic peitscht vom Anfang bis zum Ende in Drill-Sergeant-Manier die gesamte Truppe von Höchstleistung zu Höchstleistung und lässt auch beim totalen Zusammenbruch keine Pause zu. Sie hat auch mit dem Publikum kein Mitleid, denn die intensive und angespannte Stimmung der Schlussszene wird nicht in Wohlgefallen aufgelöst. Sowohl den Akteuren als auch dem Publikum bleibt die erlösende Wendung diesmal verwehrt – die Katharsis bleibt aus. Vielleicht auch deshalb wird „Scheitern als Chance“ bereits jetzt als das erwachsenste Stück des Ensembles bezeichnet.

Mit dem Ende der Trilogie und einem (Seelen)Striptease (Natürlich, wie sonst! 😉) beendet der wie immer einmalig gut spielende und im Ensemble unersetzbare Oskar Hubble Charlesworth seine Schultheaterkarriere. Er wird fehlen! Mag. Christoph Heher begibt sich hingegen in eine künstlerische Schaffenspause und kehrt nach dem Sabbatical mit frischen Ideen auf die Bretter, die das Haydngym bedeuten, zurück.

Idee, Konzept, Regie, Bühnenbild, Kostüme & Ton: Mag. Christoph Heher

Musik: Sarah Basal (6a), Cristina Bestea (3b) & Christoph Heher

Pilot in command: Oskar Charlesworth (8b – Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Reifeprüfung!)

Die Kreativklasse 3b kann nicht nur Theater! Projekt: Lapbook & Lesebox

Zu den aus einer bereitgestellten Auswahl selbst gewählten und gelesenen Büchern haben die Schülerinnen der 3b im Fach Deutsch entweder Leseboxen oder Lapbooks hergestellt. Die hergestellten Objekte können getrost als Kunstwerke bezeichnet werden! Mit viel Liebe zum Detail entstanden großartige Lapbooks und Leseboxen zu verschiedensten Themen, zum Beispiel zum Thema Genitalverstümmelung bei Frauen („Wüstenblume“) oder zur Frage, ob man wirklich als Mensch existiert und wie man das beweisen könnte („Boy in A White Room“). Neben vielen wunderschön aufbereiteten Informationen wurden auch selbst verfasste kreative Texte wie Briefe und Gedichte – von nachdenklich bis herzzerreißend – präsentiert.

Nur der Wunsch vieler Schülerinnen nach einer Note auf diese Kunstobjekte bringt mich zum Grübeln. Wie soll Kreativität beurteilt werden? Soll Kreativität überhaupt benotet werden?

Egal, wie diese Fragen beantwortet werden: Das Leseprojekt der 3b war auf jeden Fall ein voller Erfolg!

Mag. Christoph Heher

Theateraufführung: „Tote Mädchen lügen nicht“

Netflix war gestern, denn die Kreativklasse 3b feierte mit ihrem bereits zweiten Stück – einer Adaption des Jugendromanes „Tote Mädchen lügen nicht“ (13 Reasons Why) – Premiere und in der dritten Aufführung auch gleich Derniere.

In Form eines Stationentheaters begleitete das Publikum die 5 verschiedenen Hannahs durch verschiedene Stationen im Leben der Romanfigur „Hannah Baker“ und erhielt dabei tiefe Einblicke in die mögliche Erlebnis- und Gedankenwelt einer an vielen kleinen und großen Verletzungen zerbrechenden Jugendlichen.

Das Lachen blieb den Theaterbesuchern nicht nur einmal im Hals stecken, wenn ein völlig entspannter Vergewaltiger seine Taten nicht nur nicht abstreitet, sondern auch noch damit angibt (Arghavan Irajiani souverän in der Rolle des gewissenlosen Bryce). Beeindruckend das Begräbnis, bei der Martina Dragusica durch herzzerreißendes Schluchzen den Nerv des Publikums trifft – eine sehr eindringliche Szene für viele Zuseher und Zuseherinnen. Neben der beeindruckenden Interpretation von Creep durch die unglaublich gut singenden Cristina Bestea, zu der die Dirigentin Cayla Litan den Gedankenchor leitete, wird auch die großartige und äußerst unterhaltsame Performance von Linda Petirowa als Moderatorin lange in Erinnerung bleiben.

Besonders gefordert waren die 5 Hannas – Sara Candic, Besiana Kokollari, Lia Konkus, Amena Mobalegh & Melanie Ransmayr – die über die Dauer des gesamten Stücks die Aufmerksamkeit des Publikums gekonnt bündelten und die jede auf ihre besondere Art und Weise die Figur Hannah Baker unterschiedlich interpretierten.

Idee, Konzept, Bühnenbild & Kostüme: Jaradat Ashabowa, Cristina Bestea, Sara Candic, Martina Dragusica, Angelina Duric, Sudenaz Gökay, Banan Hainoun, Emine Hanilce, Lejla Husic, Marjam Inderbieva, Arghavan Irajiani, Besiana Kokollari, Lia Konkus, Nina Krainz, Anja Lekic, Cayla Litan, Amena Mobalegh, Sara Obradovic, Esmanur Özdemir, Linda Petirowa, Melanie Ransmayr, Michaela Savic, Natalija Stanojlovic, Tala Zaouan & Mag. Christoph Heher

Regie: Mag. Christoph Heher

Musik: Cristina Bestea & Christoph Heher

Hannah Baker: Sara Candic, Besiana Kokollari, Lia Konkus, Amena Mobalegh & Melanie Ransmayr